„Arbeit wird multilokal“:
Ein Interview mit Rudolf Pütz von Vitra

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„Work“ von Vitra und Partnerunternehmen in der Halle 5.2 auf der ORGATEC 2016
© Vitra

Auf der Orgatec 2016 widmet sich Vitra mit der Präsentation „Work“ heutigen und zukünftigen Arbeitswelten. Gemeinsam mit Partnern aus unterschiedlichen Branchen werden in der Halle 5.2 ungewöhnliche Bürokonzepte vorgestellt. Ein Gespräch mit Rudolf Pütz, Geschäftsführer von Vitra, über die Präsentation auf der Messe, Collage Offices und die ORGATEC als Innovationsplattform.

Herr Pütz, welches Konzept verbirgt sich hinter der Präsentation von Vitra auf der ORGATEC 2016 und welche Schwerpunkte setzen Sie?

Das Projekt „Work“ ist als Inspiration für Entscheider, Architekten und HR Verantwortliche konzipiert. Im Unterschied zu konventionellen Messeformaten mit geschlossenen Ständen und isolierten Präsentationen gibt „Work“ den Besuchern die Möglichkeit einer ganzheitlichen Perspektive. Gemeinsam mit ausgewählten Partnern werden vielseitige Aspekte von Arbeitsumgebungen vorgestellt. In ihrer Raumstruktur ist die Halle als „Stadt“ angelegt. Sie fungiert als offener Marktplatz gleichgesinnter und doch unterschiedlicher Unternehmen. Im Zentrum der Halle werden von Vitra verschiedene Bürokonzepte des täglichen Arbeitsalltags erprobt. Entlang der Hauptachse befinden sich die Auftritte der Partner. Ein Café und ein öffentlicher Platz mit einer Installation von Ronan und Erwan Bouroullec runden das Konzept ab.

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„Work“ von Vitra und Partnerunternehmen in der Halle 5.2 auf der ORGATEC 2016
© Vitra

Die Orgatec hat sich von der Ausrichtung auf Büromöbel hin zu einer internationalen Leitmesse für moderne Arbeitswelten entwickelt. Wie bewerten Sie diese Entwicklung und was erwarten Sie von der diesjährigen Ausgabe der Messe?

Die Orgatec ist weltweit die wichtigste Messeplattform für innovative Arbeitswelten. Hier werden wegweisende Trends gesetzt und die Entwicklung der Gestaltung von Arbeitsumgebungen beeinflusst. Die Produkte und Konzepte innovativer Hersteller werden zum Maßstab für internationale Einrichtungsstandards. Die diesjährige Orgatec wird stark im Zeichen einschneidender gesellschaftlicher Veränderungen stehen. Digitalisierung und demografischer Wandel sind die großen Treiber, die unsere Arbeitswelt auf den Kopf stellen und maßgeblich prägen: Zuhause, auf Reisen, im Hotel oder im Büro – die Orte der Arbeit sind heute vielfältig, Arbeit wird multilokal. Das Büro von heute soll diese neuen Arbeitsformen wie Projektarbeit, spontane Kollaboration oder mobiles Arbeiten unterstützen und ein offener Raum für Innovation und Kreativität sein. Außerdem geht es um die zentrale Frage, wie Büroumgebungen die Attraktivität eines Unternehmens sowie die Identifikation und Bindung der Mitarbeiter mit dem Unternehmen verstärken. In einer Zeit starker Disruption und neuer Arbeitsformen wird die Arbeitsumgebung immer mehr zum strategischen Asset für Firmen!

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„Work“ von Vitra und Partnerunternehmen in der Halle 5.2 auf der ORGATEC 2016
© Vitra

Seit über 50 Jahren entwickelt Vitra Möbel für Büros, Hotels und andere Objekte. Wie reagieren Sie auf den Wandel der Arbeitswelt und die sich ändernden Anforderungen – z.B. aufgrund größerer Flexibilität und Mobilität?

Für Vitra steht im Rahmen von „Work“ das Thema Collage Office im Mittelpunkt. Die Collage verstehen wir als eine individuelle Mischung von Produkten, Formen, Farben und Materialien. Das Konzept des Collage Office macht es möglich, die Identität eines Unternehmens im realen Arbeitsumfeld abzubilden. Es gibt so viele Collagen wie Menschen und so viele Bürocollagen, wie es Unternehmen gibt. Deshalb steht für Vitra nicht nur ein Collage Office zur Diskussion, sondern verschiedene Umsetzungen, die auf die individuellen Ansprüche an einen Arbeitsplatz eingehen und das Selbstverständnis von Unternehmen im Raum spiegeln. Um diesen Ansatz zu veranschaulichen, zeigt Vitra im Rahmen von „Work“ unterschiedliche Möglichkeiten eines Collage Office, zum Beispiel ein Büro, das sich durch seine hohe Flexibilität auszeichnet oder eine Arbeitsumgebung für Digital Nomads, die virtuell vernetzt sind und deshalb auch ortsunabhängig arbeiten können. Gezeigt wird auch ein Studio-ähnliches Büro, das ein Ort der Rück- und Einkehr ist und eine Konstante im sich täglich verändernden Arbeitsleben bildet.

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„Work“ von Vitra und Partnerunternehmen in der Halle 5.2 auf der ORGATEC 2016
© Vitra

Wie sehen Sie den Arbeitsplatz der Zukunft? Welche Aspekte werden für das Design der Arbeitsumgebung eine besondere Rolle spielen?   

Die Rolle des klassischen Büros erlebt in der digitalen, mobilen Welt einen wesentlichen Wandel. Flexible Strukturen für projektorientierte Arbeit und sozialen Austausch sowie eine emotionale Gestaltung prägen moderne Bürokonzepte. Das Ergebnis ist immer ein Raum, bei dem abgestimmte Details wie Materialien, Farben, Formen und Licht ein stimmiges Look & Feel ergeben. Eine kuratierte Innenarchitektur mit langer visueller Gültigkeit kennzeichnet Lösungen, die motivieren, identitätsstiftend sind und direkt auf die Arbeitgeberattraktivität einzahlen.

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Rudolf Pütz
Rudolf Pütz Michael Hudler © Vitra

Rudolf Pütz ist Geschäftsführer der Vitra GmbH.

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