„Erhebliches Potenzial für die Arbeitswelt“:
Ein Interview mit Sascha Peters zu smarten Materialien

Smart Office Materials

Der Materialexperte Dr. Sascha Peters gestaltet die Sonderfläche „Smart Office Materials” auf der kommenden ORGATEC. Ein Gespräch über die Schwerpunkte der Sonderschau, die Bedeutung neuer Materialien für die Arbeitswelt und Büromöbel aus Baumrinde.

Dr. Sascha Peters, wie schon vor zwei Jahren sind Sie auf der Orgatec 2016 wieder für die Sonderfläche „Smart Office Materials“ verantwortlich. Welche Innovationen werden bei dieser Präsentation vorgestellt? Haben sich die Schwerpunkte seit der letzten Ausgabe der Messe verändert?

Seit der letzten Orgatec im Jahr 2014 konnten wir in zwei Bereichen eine hohe Entwicklungstätigkeit innovativer Materialien bei Unternehmen und Forschungsinstituten erkennen, die für moderne Arbeitswelten eine Rolle spielen können. So hat sich die Anzahl und Vielfalt von Anwendungen für smarte Materialien deutlich gesteigert, also solchen Werkstoffen, die auf äußere Einflüsse und Umweltfaktoren reagieren. Den zweiten Schwerpunkt unserer Sonderfläche widmen wir dem smarten Umgang mit ungewöhnlichen Ressourcen, meist natürlichen Wertstoffen, die normalerweise nicht verwendet werden. Zu den Exponaten zählt zum Beispiel ein Hocker aus antiseptischer Birkenrinde.

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Potato Chair Copyright: Jarrell Goh, Singapore

Was bedeuten die neuen Material- und Verarbeitungsmöglichkeiten für die Anwendung in der Büroarchitektur und -ausstattung?

Die Verwendung von funktionsintegrierten Werkstoffen und ein smarter Materialgebrauch gibt den Designern und Architekten moderner Arbeitsumgebungen die Möglichkeit, sehr viel bewusster mit den vorhandenen Ressourcen umzugehen. Smarte Materialien reagieren automatisch auf sich verändernde Umgebungseinflüsse und handeln in Kontexten von Verschattung, Klimatisierung, Akustik oder Beleuchtung im Sinne des Menschen. Die Bürogestaltung fällt mit diesen Werkstoffen sehr viel schlichter aus. Der Materialeinsatz und damit auch das Gewicht der Systemkomponenten sind reduziert. Dies kommt der Veränderbarkeit von Büroatmosphären und der Flexibilität am Arbeitsplatz entgegen.

Die Arbeitswelt hat sich in den letzten Jahren zu flexiblen Büronutzungen entwickelt. Damit werden auch neue Design- und Materialkonzepte nötig, z.B. im Hinblick auf die Raumakustik. Wo beobachten Sie hier die größten Entwicklungen?

Innenarchitekten verwenden zusehends Materialien, die die Akustik in verschiedenen Arbeitssituationen verbessern und nach Möglichkeit unsichtbar ihre Funktion erfüllen. Immer häufiger erscheinen Systeme am Markt, die neben einer Raum schaffenden Komponente auch eine akustische Qualität haben und Einfluss auf die Lichtstimmung nehmen können.

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ADDARCH (gedruckte Fassadenelemente) Copyright: TU Berlin, Prof. Sven Pfeiffer

„Smarte“ Materialien für die Arbeitsumgebung erfordern innovative Herstellungsarten. Welche interessanten Ansätze gibt es hier und wohin führen diese?

Die interessanteste Entwicklung bei innovativen Produktionsweisen ist zweifelsohne der 3D-Druck bzw. additive Fertigungstechniken. Gemeint sind Verfahren, die nicht auf konventionellen Materialien abnehmenden Prozessen basieren wie beim Fräsen, Drehen oder Bohren sondern auf Material aufbauend funktionieren. Der große Vorteil dieser Fertigungsprozesse ist, dass sich selbst komplexe Bauteilgeometrien mit inneren Hohlraumstrukturen umsetzen lassen, die sich auf keine andere Weise erzeugen lassen. In Kombination mit den Möglichkeiten der Digitalisierung und des Datentransfers über das Internet scheinen wir der individualisierten Fertigung von Produkten ein Stück näher zu kommen.

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Dr. Sascha Peters

Neben nachhaltigen Lösungen nimmt auch die Verträglichkeit der Materialien an Bedeutung zu. Was können „smarte“ Materialien zur Gesundheit am Arbeitsplatz beitragen?

Um den wirtschaftlichen Erfolg von Materialentwicklungen für die Einrichtung sicherzustellen, führen Unternehmen in aller Regel Tests zur gesundheitlichen Verträglichkeit und Arbeitsphysiologie durch. Vor allem kommen smarte Materiallösungen überall dort zum Einsatz, wo sie positiven Einfluss auf die Raumakustik haben, die Stressbelastung von Personen im Raum reduzieren oder z.B. durch Veränderung der Lichtfarbe direkten Einfluss auf das Wohlbefinden nehmen. Es wurden auch Materialien entwickelt, die unter Abgabe natürlicher Aromastoffe die Herzschlagrate reduzieren. Insbesondere zur Klimatisierung von Arbeitsräumen bei extremen Witterungsbedingungen weisen smarte Materialien erhebliche Potenziale auf.

Dr. Sascha Peters ist Gründer und Inhaber von HAUTE INNOVATION – Agentur für Material und Technologie in Berlin.

Weitere Informationen:

www.haute-innovation.com

 

 

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