„Ich arbeite gerne in einer Umgebung, die ich liebe“:
Ein Interview mit Doriana Fuksas

Doriana Mandrelli Fuksas und Massimiliano Fuksas, MUMBAI Serie für Haworth Castelli Foto: © Castelli spa
Doriana Mandrelli Fuksas und Massimiliano Fuksas, MUMBAI Serie für Haworth Castelli
Foto: © Castelli spa

Die italienische Architektin und Designerin Doriana Fuksas leitet mit ihrem Ehemann Massimiliano das Studio Fuksas mit Sitz in Rom, Paris und Shenzen. In rund 40 Jahren hat das renommierte Architekturbüro mehr als 600 internationale Projekte realisiert – darunter zahlreiche Bürogebäude. Ein Gespräch über den Wandel der Arbeitswelt, unnötige Abgrenzungen und den Wert von Qualität.

Frau Fuksas, bei der Gestaltung von Arbeitswelten arbeiten Sie mit privaten und öffentlichen Auftraggebern zusammen. Sehen Sie da generelle Unterschiede?

Der Auftraggeber ist sehr wichtig. In einem Wettbewerb beispielsweise fragt er vielleicht nach sehr speziellen Aspekten, und für den Architekten gibt es Regeln, die er einzuhalten hat. Andererseits kennt man aber unter Umständen die Menschen nicht oder noch nicht, die tatsächlich in dem Gebäude leben und arbeiten werden. Das ist, denke ich, eine wichtigere Unterscheidung: nicht ob es ein öffentliches oder ein privates Gebäude ist, sondern ob man die wirklichen späteren Nutzer kennenlernt. Dann kann man ihre Wünsche und Bedürfnisse viel genauer verstehen.

Studio Fuksas: Archives Nationales de France Foto: © Kamal Khalfi
Studio Fuksas: Archives Nationales de France
Foto: © Kamal Khalfi

Haben sich die Kriterien in diesem Bereich sehr verändert?

Das ist ein komplexes Thema. Wir verfügen heute über Geräte, die eine viel höhere Leistung als vor 50 Jahren erbringen. Wir haben Computer, Smartphones, Tablets. Wir nutzen andere Wege, Dinge zu speichern und aufzubewahren. Man braucht keinen Platz mehr für CD-Roms. Wenn man ein kleines Büro oder Haus hat, benötigt man keine Bücher mehr, weil man sie auf dem Smartphone lesen kann, wo immer man möchte. Vielleicht wünscht man sich lediglich einen größeren Bildschirm, um besser sehen zu können und abends nicht so müde zu sein. Folglich kann vieles in unseren Büros verändert werden, ebenso wie in unserem Zuhause. Und manchmal sind die Wohnung und das Büro natürlich auch identisch.

 

Studio Fuksas: Archives Nationales de France Foto: © Kamal Khalfi
Studio Fuksas: Archives Nationales de France
Foto: © Kamal Khalfi

Würden Sie sagen, dass sich die Gestaltung von Wohn- und Arbeitswelten generell annähern?

Ich denke ja. Das zeigt sich auch, wenn wir Möbel entwerfen. Ein Bürotisch ist niemals nur für Büros geeignet. Man kann ihn auch in einem wohnlichen Umfeld nutzen. Vor einiger Zeit haben wir die Mumbai-Serie für Haworth entwickelt – eine Möbelkollektion, die für Büros entworfen wurde, jetzt aber auch in Wohnhäusern eingesetzt wird. Das ist großartig. Ich trenne diese Dinge nicht gerne. Traditionell geben die Menschen mehr Acht auf ihr Zuhause als auf ihren Arbeitsplatz. Aber wenn etwas schön anzufassen oder anzusehen ist, warum sollte man es dann nur in der Wohnung nutzen, wenn man doch jeden Tag arbeitet? Ich arbeite gerne in einer Umgebung, die ich liebe.

Studio Fuksas: Archives Nationales de France, Sessel CARLA für Poltrona Frau Foto: © Camilla Pongiglione
Studio Fuksas: Archives Nationales de France, Sessel CARLA für Poltrona Frau
Foto: © Camilla Pongiglione

Im Kern sagen Sie: Es geht eben um viel mehr als nur technische Funktionen.

Genau, und wenn etwas Qualität hat, wird es von Dauer sein. In Paris haben wir einen 5,50 Meter langen Tisch, der einst von Jean Prouvé als Sonderauftrag entworfen wurde. Ein Kunde bat ihn, einen Konferenztisch zu gestalten, nur für sein Unternehmen. Den Namen des Unternehmens kennen wir nicht mehr, aber den Tisch gibt es immer noch und er gehört Menschen, die ihn lieben. Natürlich kommt es auch auf das Budget an, aber man kann versuchen, die Dinge im erschwinglichen Rahmen zu halten. Und letztlich ist es eine Frage der Einstellung. Ein kluger Bauherr weiß um den Wert guter Objekte, guter Architektur.

Doriana Fuksas leitet das Studio Fuksas zusammen mit ihrem Ehemann Massimiliano Fuksas. In rund 40 Jahren hat das renommierte Architekturbüro mit Niederlassungen in Rom, Paris und Shenzhen weltweit mehr als 600 Projekte realisiert und zahlreiche internationale Auszeichnungen erhalten.
www.fuksas.com

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