Möglichkeitsräume: Ein Interview mit Daniel Trappen von kadawittfeldarchitektur

Daniel Trappen, Head of Interior, kadawittfeldarchitektur, © Carl Brunn
Daniel Trappen, Head of Interior, kadawittfeldarchitektur, © Carl Brunn

Wir sprachen mit Daniel Trappen, Head of Interior bei kadawittfeldarchitektur in Aachen, über informellen Austausch, anregende Perspektivwechsel und Bewegung im Arbeitsalltag.

Daniel Trappen, ein wichtiger Teil Ihrer Tätigkeit liegt im Bereich heutiger Arbeitswelten. Wohin gehen die Entwicklungen?

Nach unserer Erfahrung gibt es einen Trend zu informellen Arbeitszonen. Die reine Bündelung der Tätigkeiten rund um Schreibtisch und Bürodrehstuhl nach dem Cockpitprinzip entspricht in vielen Organisationen nicht mehr den heutigen Arbeitsweisen. Die Arbeitswelt wird definitiv variantenreicher und die soziale Interaktion mit Kollegen immer wichtiger. Studien zeigen, dass vier Fünftel aller Ideen durch ungeplante Kommunikation entstehen. Dazu muss der Arbeitsalltag dynamisiert werden – die ehemals bewegungsfeindliche Arbeitssituation muss in eine bewegungsfreundliche verwandelt werden. Warum muss ich Drucker, Faxgerät, am besten noch die Kaffeemaschine direkt am eigenen Arbeitsplatz haben oder meinen Kollegen bei Fragen eine E-Mail schreiben? Je mehr man sich auf den Weg macht, umso besser. Wichtig sind aber auch Rückzugsorte. Konzentration und Entspannung gehören zusammen – das sollte die Arbeitswelt widerspiegeln.

kadawittfeldarchitektur DocMorris HQ, Heerlen © Andreas Horsky
kadawittfeldarchitektur DocMorris HQ, Heerlen © Andreas Horsky
kadawittfeldarchitektur DocMorris HQ, Heerlen © Andreas Horsky
kadawittfeldarchitektur DocMorris HQ, Heerlen © Andreas Horsky

Das heißt, die Vorstellungen von kreativen Räumen wandeln sich?

Kreative Räume sollten nicht nur die reine Funktion des Arbeitens erfüllen, sondern inspirierend sein und Möglichkeiten bieten – wir nennen das „Möglichkeitsräume“. Unsere Arbeitswelten sind dezentral organisiert. Informelle Kommunikation wird auf dem Weg zum Coffeepoint, zur Druckerstation, zur Lesezone, zur Cafeteria ermöglicht. Zusätzlich zum klassischen Besprechungstisch werden Besprechungsmöglichkeiten in Form von Lounges, Stehbenches, großen Community-Tables angeboten. Man darf stehen und lümmeln, auch im Büro. Das trägt auch zur körperlichen Gesundheit bei. Zudem sind Perspektivwechsel gut, um innovativ und kreativ zu sein.

kadawittfeldarchitektur: adidas Laces, Herzogenaurach, © Werner Huthmacher
kadawittfeldarchitektur: adidas Laces, Herzogenaurach, © Werner Huthmacher
kadawittfeldarchitektur: adidas Laces, Herzogenaurach, © Werner Huthmacher
kadawittfeldarchitektur: adidas Laces, Herzogenaurach, © Werner Huthmacher

kadawittfeldarchitektur hat für Felder wie Interior Design und Büroorganisationsplanung den eigenständigen Geschäftsbereich kadawittfeldconsult gegründet. Welcher Gedanke steht dahinter?

Die Disziplin der Innenarchitektur wird mehr und mehr zum Architekturthema – beides ist konzeptionell idealerweise nicht zu trennen. Mit zunehmender Digitalisierung und der dadurch bedingten Mobilität gewinnt zudem der tatsächliche, physisch erlebbare Ort umso mehr an Bedeutung. Da spielen stoffliche, farbliche oder lichtatmosphärische, ja beinahe szenografische Aspekte eine Rolle. Die Sparte Interior, der wir uns mit kadawittfeldconsult widmen, möchten wir in der gesamten Bandbreite weiter ausbauen. Das Leistungsprofil reicht von der Bedarfsermittlung über Einrichtungsplanung, Produktdesign, Büroorganisationsplanung bis hin zur Leit- und Orientierungsplanung. Die Chancen liegen darin, die Barrieren zwischen den beiden Branchen aufzubrechen und viel enger im Dialog zusammenzuarbeiten.

 

kadawittfeldarchitektur: Grünenthal Office 411, Aachen, © Jens Kirchner
kadawittfeldarchitektur: AachenMünchener Direktionsgebäude, Aachen, © Jens Kirchner
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kadawittfeldarchitektur: Grünenthal Office 411, Aachen, © Jens Kirchner

Daniel Trappen ist Head of Interior bei kadawittfeldarchitektur in Aachen. Schwerpunkte des Büros mit mehr als 100 Mitarbeitern liegen u.a. bei Büro- und Wohnbauten, Messeprojekten und Museen.

www.kwa.ac

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